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24.10.2016

Umzugskosten innerhalb Großstadt – Wegzeitverkürzung um mindestens eine Stunde für WK-Abzug nicht zwingende Voraussetzung.


Als objektiv und leicht feststellbares Kriterium, das typischerweise auf eine berufliche und gegen eine private Veranlassung schließen lässt, fordert die Rechtsprechung grundsätzlich eine wesentliche Verkürzung der Wegezeit. Die Zeitersparnis durch den Umzug muss mindestens eine Stunde täglich betragen. In diesem Fall treten alle mit einem Umzug sonst einhergehenden privaten Begleitumstände regelmäßig in den Hintergrund und können vernachlässigt werden (BFH, Urt. v. 10.09.1982, VI R 95/81, BStBl II 1983, S. 16).

Für die berufliche Veranlassung spielt es ferner keine Rolle, dass der Umzug (nur) innerhalb einer Großstadt zwischen zwei Stadtteilen durchgeführt wird, sofern besondere berufsbezogene Gründe für den Umzug vorliegen (BFH, Urt. v. 18.10.1974, VI R 72/72, BStBl II 1975, S. 327).

Nach der Rechtsprechung kann in Ausnahmefällen jedoch auch „die Erreichbarkeit der Arbeitsstätte ohne Verkehrsmittel“ zu einer solch wesentlichen sonstigen Verbesserung der Arbeitsbedingungen führen, dass selbst eine Zeitersparnis von weniger als eine Stunde ausreichend für die Annahme einer beruflichen Veranlassung der Umzugskosten sein kann (BFH, Beschl. v. 02.02.2000, X B 80/99, BFH/NV 2000, 945. Diese Auffassung wird in der Literatur geteilt (vgl. z. B. Krüger in Schmidt, EStG, 35. Auflage 2016, § 19 Rn. 19 Stichwort „Umzugskosten“).

Dieser Rechtsauffassung hat sich das FG Köln im Urteilsfall angeschlossen und darauf abgestellt, dass die Klägerin nach dem Umzug in die neue Wohnung nur noch einen Fußweg von 5 Minuten zu ihrem Arbeitsplatz zurückzulegen hat und tatsächlich auch zu Fuß ihren Arbeitsplatz aufsucht, unter Verzicht auf die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel (vor dem Umzug Wegezeit von 40 Minuten bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel).

FG Köln, Urt. v. 24.02.2016, 3 K 3502/13, EFG 2016, S. 991
Anmerkung
In der Urteilsbegründung wies das FG klarstellend darauf hin, dass nur auf die berufliche Situation der Klägerin und nicht auch auf die berufliche Situation des Ehemanns der Klägerin abzustellen ist, d. h.: Bei der Abgrenzung, ob Umzugskosten eines verheirateten Arbeitnehmers nahezu ausschließlich beruflich veranlasst sind oder nicht, sind die Fahrzeitveränderungen von zusammen zu veranlagenden Ehegatten nicht zu saldieren (BFH, Urt. v. 21.02.2006, IX R 79/01, BStBl II 2006, S. 598).